Zugfahren in Japan – Teil 1

Vor ein paar Wochen ging ein langer Traum in Erfüllung: eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne!

Ich möchte ein paar Dinge aufgreifen, die ich während der Reise interessant fand und hier im Blog davon berichten. Im ersten Teil geht es um die Nahverkehrszüge, Tickets und Unterschiede zu den Zügen in Deutschland. Jetzt denkt sich der ein oder andere vielleicht „Ist Zugfahren nicht überall gleich?“ – aber seht selbst.

Ab nach Tokyo!

Los ging die Reise mit der japanischen Eisenbahn am Flughafen Narita bei Tokyo.

Zunächst suchten wir das Reisezentrum auf – dort mussten wir unseren Japan Rail Pass (künftig „JRP“ abgekürzt) abholen. Mit dem JRP darf man eine bestimmte Zeit lang (bspw. 7 oder 14 Tage) viele der JR-Züge nutzen ohne separate Tickets kaufen zu müssen. Wichtig dabei ist, dass man den Pass vorher im Ausland kaufen muss. Bei Kauf erhält man einen Gutschein, den man dann in Japan in den eigentlichen Pass eintauscht. Wenn man den Pass dann einmal hat, funktioniert er ähnlich wie eine BahnCard 100.

Narita Express-Zug im Bahnhof Narita Airport T1

Bei der Abholung des Rail Pass haben wir außerdem Reservierungen für den nächsten Narita-Express (im JRP enthalten) nach Tokyo bekommen. Einige Züge, wie der Narita-Express, sind reservierungspflichtig. Reservierungen erhält man mit dem JRP jedoch kostenlos an JR-Fahrkartenschaltern in vielen größeren Bahnhöfen.

Bevor wir zum Narita Express kamen, mussten wir aber erstmal durch die Bahnsteigsperren. Sämtliche Bahnsteige in Japan haben Bahnsteigsperren – diese kann man mit dem JRP allerdings nicht benutzen. Da aber jede Sperre mit Personal besetzt ist, geht man zum Bahnhofspersonal und darf nach Vorzeigen des JRP den Kinderwagen-/Rollstuhlzugang neben den eigentlichen Sperren benutzen. Das ist meiner Meinung nach der einzige Nachteil am JR Pass. Da es sich beim Bahnhofspersonal auch ab und an mal staut, muss man ggf. warten bis man an der Reihe ist und kann nicht, wie der Großteil der Reisenden, in 2 Sekunden durch die Sperren laufen.

Der Narita-Express wird gerade gereinigt.

Am Bahnsteig angekommen dauerte es nicht lang bis der Narita Express einfuhr – zusteigen durften wir aber noch nicht. Ein Bahnmitarbeiter spannte ein Absperrband in der Tür auf und saugte erstmal schnell den Wagen durch und drehte anschließend alle Sitzplätze in Fahrtrichtung um – so musste niemand rückwärts fahren. Generell sind alle Züge, auch die Nahverkehrszüge, sehr sauber, ohne Graffiti, Kratzer oder andere Beschädigungen.

Die Fahrt nach Tokyo verlief pünktlich und ruhig. Während der Fahrt gibt es Durchsagen auf Japanisch, Englisch, Chinesisch und Koreanisch. Auf den Bildschirmen im Zug gab es neben einer Karte mit dem Streckenverlauf auch Nachrichten und den Wetterbericht – natürlich ohne Tonspur aber mit Untertiteln. Generell ist es in den japanischen Zügen ausgesprochen leise. Wenn die Japaner telefonieren müssen, gehen sie ans Ende der Wagen in die Türbereiche – eine Sitte, die in Deutschland leider zunehmend aus der Mode gerät…

Der Narita-Express (Green Class / 1. Klasse) von Innen

Viele Betreiber…

In Tokyo selbst gibt es verschiedene Möglichkeiten voran zu kommen. Ein wichtiger Punkt ist jedoch, dass es in Japan keine Verkehrsverbünde gibt, so wie man es in Deutschland kennt. Selbst die U-Bahn in Tokyo wird von zwei verschiedenen Firmen betrieben, dazu kommen die Busse und viele Eisenbahnlinien von privaten Bahngesellschaften.

Sehr interessant ist, dass die U-Bahn-Strecken, anders als in Deutschland, keine separaten U-Bahn-Strecken sind sondern mit „richtigen“ Eisenbahnstrecken verknüpft werden. Ein Beispiel dafür ist die Fukutoshin-Linie, die von Tokyo Metro betrieben wird. Am Endbahnhof Shibuya können die Züge direkt weiter auf der Toyoko-Linie der privaten Tokyu-Eisenbahngesellschaft bis bspw. nach Yokohama fahren.

Ein Nahverkehrszug in Ikebukuro

Mitunter sind sogar mehrere Bahnstrecken miteinander verknüpft – z.B. könnte ein Zug von Yokohama aus auf der Toyoko-Linie (Betreiber: Tokyu) bis nach Shibuya fahren. Dort wechselt er auf die Fukutoshin-Linie der Tokyo Metro und fährt weiter nach Ikebukuro. Von dort aus kann der Zug dann weiter auf der Tobu-Tojo-Linie (Betreiber: Tobu Tetsudo) bis nach Shinrinkoen fahren. So würde ein Zug insgesamt auf drei verschiedenen Netzen von drei verschiedenen Betreibern unterwegs sein und als unkundiger Mitfahrer würde man den Betreiberwechsel unter Umständen gar nicht mitbekommen.

Die Züge sind immer entsprechend der Linie beschildert, auf der sie gerade fahren, jedoch bleibt das „Endziel“ gleich. So ist der Zug auf dem Abschnitt Shibuya – Ikebukuro bspw. als Fukutoshin-Line-Zug, jedoch mit Ziel „Shinrinkoen“ beschildert.

Viele Tickets…

Für die Fahrgäste ist es ganz praktisch, jedoch ist die tarifliche Handhabung etwas ungewohnt – wo wir schon beim nächsten Punkt angekommen wären. Prinzipiell gilt in Japan ein entfernungsbasierter Tarif. Da es keinen Verkehrsverbund gibt, muss auch bei jedem Wechsel von einer Linie eines Betreibers auf die eines anderen Betreibers erneut gezahlt werden.

Ein Tagesticket für Tokyo Metro & Toei Subway auf einer PASMO-Karte

Selbst wenn man, wie im o.g. Beispiel, gar nicht umsteigen muss, möchte trotzdem jeder der Betreiber seinen Anteil an den Fahrtkosten abhaben.

Beim Fahrkartenkauf eines regulären Tickets hängen über den Fahrkartenautomaten Linienpläne, auf denen die Fahrpreise bis zur Zielstation angegeben sind. Am Automaten wählt man dann nur den entsprechenden Wert (bspw. 230¥) aus, nimmt das Ticket und steckt es in die Sperre. Beim Verlassen des Zielbahnhofs wird genau so vorgegangen. Sollte man versehentlich zu wenig bezahlt haben, öffnet die Sperre nicht und die Japaner gehen ganz selbstverständlich zu einem „Fare Adjustment“-Automaten, die ähnlich wie die Ticketautomaten funktionieren. Dort stecken sie ihr Ticket ein, bezahlen den Differenzbetrag und können anschließend die Schranken öffnen. Das ist auch sehr praktisch falls man den genauen Betrag zum Zielbahnhof nicht kennt oder er nicht ausgewiesen ist – man bezahlt einen Pauschalbetrag und zahlt die Differenz am Ziel nach.

Beim Umsteigen zwischen verschiedenen Betreibern gibt es kleine Rabatte, jedoch ist eine Fahrt über bspw. 5 km Distanz bei einem Betreiber immer noch günstiger als wenn man bspw. nach 2,5 km auf einen anderen Betreiber umsteigt.

Für Touristen und Vielfahrer gibt es zudem auch entsprechende Tagestickets.

Bei der U-Bahn Toyko kann man bspw. zwischen verschiedenen Varianten wählen:

  • Tagesticket Tokyo Metro (Betreiber 1) = 600 ¥
  • Tagesticket Toei Subway (Betreiber 2) = 700 ¥
  • Tagesticket Tokyo Metro + Toei Subway (Betreiber 1+2) = 900 ¥
  • Tagesticket „Tokyo Combination“ (beide U-Bahn-Betreiber, Busse, Straßenbahn, JR-Züge) = 1.590 ¥

Eine Bahnsteigtür im Bahnhof Ueno – mit Pandas, da die Pandas im nahegelegenen Ueno-Zoo die Publikumslieblinge sind.

Für uns war das Tokyo Metro + Toei Subway-Tagesticket am praktischsten, da die JR-Züge durch den JRP abgedeckt waren und wir keine Busse brauchten. Die Straßenbahn (es gibt nur eine Linie) benutzten wir ebenfalls nicht.

Zusätzlich zu den genannten Tickets gibt es auch noch Tageskarten, die sich speziell an ausländische Besucher richten. Diese sind ein paar Yen günstiger, können aber auch nur an bestimmten Bahnhöfen oder an den Flughäfen gekauft werden.

Insgesamt sieht man, dass es schon ziemlich schwierig sein kann, das richtige Ticket auszuwählen. Als Tourist sollte man sich daher vorab informieren, auf welchen Linien welches Betreibers man unterwegs sein wird und das Ticket dementsprechend aussuchen.

Keine Lust, ewig nach dem richtigen Fahrpreis zu recherchieren?

Deutlich einfacher ist die Nutzung einer IC-Karte. Diese Karten werden mit einem Guthaben oder einer Zeitkarte aufgeladen, kurz an die Sperre gehalten und das Guthaben wird automatisch abgezogen. Die Karte kostet einmalig 500 ¥ Pfand, das man bei der Rückgabe inkl. eventuell vorhandenem Restguthaben zurückerstattet bekommt.

Ein Yamanote-Line Zug in Tokyo

In Tokyo gibt es verschiedene Kartentypen – von Tokyo Metro und Toei Subway werden „PASMO“-Karten ausgegeben, von JR „Suica“-Karten. Jedoch ist der Name der einzige Unterschied – technisch sind die Karten innerhalb Japans komplett kompatibel. So kann man mit einer „PASMO“-Karte aus Tokyo bspw. auch die U-Bahn in Kyoto oder Osaka benutzen.

Wenn man eine Tageskarte oder eine andere Zeitkarte auf die Karte lädt, wird die Karte zusätzlich bedruckt. Bevor man nach Ablauf der einen Zeitkarte eine zweite Zeitkarte auf die IC-Karte laden möchte, muss man den Aufdruck vorher vom Bahnhofspersonal löschen lassen!

Sehr praktisch ist zudem, dass man mit den IC-Karten auch an diversen Getränkeautomaten oder in Minimärkten wie 7-Eleven oder Family Mart bezahlen kann, die es quasi an jeder zweiten Straßenecke gibt. Das ist eine gute Möglichkeit, um am Ende einer Reise noch Restguthaben zu verbrauchen. Reicht das Restguthaben nicht für den kompletten Einkauf aus zahlt man die Differenz einfach bar nach.

Pendler in der Tokyo Metro

Welcher Zug ist der Richtige?

Neben den U-Bahnen gibt es in Tokyo, wie schon erwähnt, diverse JR- und Privatlinien. Anders als bei uns haben die Linien keine Nummern sondern Namen. Für Touristen, denen die japanische Aussprache zu kompliziert ist, haben die Linien in den Großstädten zudem auch noch Buchstabenabkürzungen. Die Abkürzung für die Yamanote-Linie (Betreiber: JR) ist bspw. „JY“. Auch die Stationen haben neben ihrem Namen noch eine Zahlenkombination, damit sich Touristen besser orientieren können. Der Bahnhof Shinagawa auf der Yamanote-Linie trägt so bspw. das Kürzel JY25. Diese Kürzel werden auch in den Ansagen und auf den Anzeigen verwendet.

Ein Zug der Chuo-Line im Bahnhof Shinjuku

Beim Umsteigen sollte man beachten, dass teilweise lange Wege zwischen den einzelnen Bahnsteigen liegen – 500 m und mehr sind keine Seltenheit – vor allem dann nicht, wenn man zwischen verschiedenen Betreibern umsteigt. Allerdings sind die Beschilderungen sehr vorbildlich und man findet den Weg zum richtigen Bahnsteig ziemlich leicht. Auf vielen Schildern sind auch die Entfernungsangaben angegeben.

Auf vielen Linien gibt es unterschiedliche Bedienfrequenzen, die man am besten mit den „Regionalbahnen“ und „RegionalExpress“-Zügen in Deutschland vergleichen kann. Die Bedienfrequenzen und Bezeichnungen können allerdings auch je nach Linie und Betreiber unterschiedlich sein.

Grundsätzlich halten die „Local“-Züge an allen Stationen.

Daneben gibt es schnellere Züge, die Stationen unterwegs überspringen und nur an größeren Bahnhöfen halten. Diese heißen beispielsweise „Semi-Express“, „Express“, „Rapid“, „Rapid-Exress“, „Homeliner“, … Das sind alles Nahverkehrszüge, die im Prinzip mit jedem Fahrschein genutzt werden können.

Nachdem man den richtigen Zug gefunden hat, geht es nun ans Einsteigen.

In Japan stellt man sich zum Einsteigen in Reihen auf!

Auf sämtlichen Bahnsteigen finden sich Markierungen, auf denen man erkennen kann, welcher Wagen wo hält und wo sich die Türen befindet. Zusätzlich ist angegeben, ob man sich in 1er-, 2er-, 3er-Reihen usw. aufstellen soll. Die Züge halten punktgenau an den Markierungen an.

Falls unterschiedliche Zugtypen an einem Bahnsteig halten, ist an den Anzeigen oftmals angegeben an welchen Markierungen man sich anstellen soll. Wenn neben dem zunächst einfahrenden Zug bspw. ein Dreieck angezeigt wird, soll man sich an den Markierungen mit Dreieck-Symbol anstellen. Das System funktioniert erstaunlich gut, nur die Touristen brauchen eine Weile um sich daran zu gewöhnen.

Pendler in der Tokyo Metro

Wenn der Zug eingefahren ist, steigen die Fahrgäste in der Mitte aus während von rechts und/oder links gleichzeitig Fahrgäste in den Zug steigen können. So ist der Fahrgastfluss effizient und dauert nicht zu lange. Zu Stoßzeiten stehen zudem die bekannten, mit weißen Handschuhen ausgestatteten, „Fahrgastschieber“ zur Stelle, die notfalls etwas stopfen damit die Türen schließen können.

Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu Europa sind die Abfertigungsmelodien.

Sobald sich die Türen öffnen ertönt eine Melodie. Diese Melodie kann sich je nach Linie und Station unterscheiden, so dass eingeübte Pendler anhand der Melodie erkennen an welcher Station sie gerade sind und auf welcher Linie sie fahren. Während die Melodie spielt sollen die Fahrgäste ein- und aussteigen. Sobald die Melodie aufhört ist der Fahrgastwechsel beendet, der Zug ist abfahrtbereit und die Türen schließen in Kürze.

Orientierung im Zug

Im Zug selbst findet man sich recht gut zurecht – die Ansagen erfolgen in Japanisch und Englisch. Zusätzlich gibt es in vielen Zügen Bildschirme, auf denen nicht nur die nächste Station und der Fahrtverlauf sondern auch die Lage der Rolltreppen, die kürzesten Wege zu den jeweiligen Ausgängen und Umsteigemöglichkeiten angezeigt werden. Erstaunlicherweise habe ich während der gesamten Zeit keinerlei defekte Anzeige, defekte Tür oder Ähnliches beobachten können. Da sieht man, dass die japanischen Bahngesellschaften sehr viel Wert auf ihre Züge legen.

Anzeige in der Yamanote-Linie – Lageplan des Bahnhofs Shibuya

Anzeige in der Yamanote-Linie – nächster Halt: Shibuya

Im nächsten Teil geht es weiter und ich berichte über den Shinkansen

Viele Grüße
Fabian