Ein Jahr Niederländisch am Stück

Vielleicht habt ihr schon aus früheren Beiträgen herausgefunden, dass ich mich sehr für Fremdsprachen interessiere. Heute möchte ich euch vorstellen wie ich es geschafft habe eine für mich komplett neue Sprache zu lernen: Niederländisch. Das Besondere daran ist, dass es mich quasi nichts gekostet hat und ich, meiner Meinung nach, bisher trotzdessen ziemlich erfolgreich mit dieser Methode war.

Warum Niederländisch?
Zunächst fragen sich bestimmt einige von euch weshalb ich mir ausgerechnet Niederländisch ausgesucht habe. Schließlich können doch alle Niederländer sowieso Englisch oder ganz gut Deutsch – zumindest ist das eines der „Vorurteile“ auf der deutschen Seite der Grenze, dem ich auch nicht komplett widersprechen kann. Dennoch war Niederländisch die Sprache meiner Wahl, da ich einerseits beruflich viel Kontakt mit Kollegen und Lieferanten aus Belgien und den Niederlanden habe und auf der anderen Seite auch das ein oder andere Mal in den Niederlanden unterwegs bin. Bei jedem meiner Aufenthalte in den Niederlanden versuche ich mit meinen erlernten Kenntnissen zu glänzen und stelle immer wieder fest, wie überrascht die Einheimischen sind, wenn ein Deutscher „ihre Sprache“ mit ihnen spricht (oder es zumindest versucht 😉 ). Zudem kommt hinzu, dass Niederländisch viele Ähnlichkeiten zu Deutsch und Englisch aufweisen kann, wodurch ich noch neugieriger auf diese Sprache wurde.

Wie ging es los?
Irgendwo in den Untiefen der sozialen Netzwerke wurde ich auf die Website „Duolingo“ aufmerksam – die Leitlinie der Seite ist, dass jeder Mensch kostenlosen Zugang zu hochwertigen Bildungsangeboten haben sollte. Diese Meinung teile ich, weshalb ich mich damals entschloss mir die Seite genauer anzusehen. Sie steckte noch in den Kinderschuhen – so konnte man beispielsweise einen Englisch->Spanisch oder einen Deutsch->Englisch-Kurs belegen. Ich entschied mich damals für den Spanischkurs, da ein Urlaub in Spanien bevorstand und ich so die Möglichkeit hatte ein bisschen zu üben und meine Kenntnisse aus der Volkshochschule etwas zu kräftigen.

Mit der Zeit kamen immer mehr Kurse dazu, so zum Beispiel Deutsch->Französisch oder Englisch->Italienisch und irgendwann folgte auch Englisch->Niederländisch. Das war meine Chance loszulegen und die Website auf „Herz und Nieren“ zu testen. Besonders hervorzuheben ist, dass viele Kursinhalte von Duolingo-Nutzern freiwillig und ohne Vergütung erstellt werden – um anderen Menschen den Zugang zu diesen Sprachen zu ermöglichen. Gerade auch wegen dieses Punktes war ich gespannt, wie einfach es sein wird, eine Sprache komplett ohne Vorkenntnisse nur unter Zuhilfenahme einer Internetseite zu erlernen.

Wie funktioniert es?
Nach einer kurzen Registrierung entscheidet man sich für den Sprachkurs den man belegen möchte. Man kann nun auswählen, ob man einen Einstufungstest ablegen möchte, der sich an Lerner mit Vorkenntnissen der jeweiligen Sprache richtet, oder „von Grund auf“ startet. Da mir die Niederländisch-Vorkenntnisse fehlten, entschied ich mich für die letztere Variante.

Duolingo NL BaumJeder Sprachkurs auf Duolingo ist wie ein Baum angeordnet. Anders als bei einem „echten“ Baum wachsen die Kenntnisse allerdings mit einer relativ schmalen Spitze von oben und man arbeitet sich mit der Zeit nach unten in die Breite durch. Jeder Ast dieses Baums ist mit einer Art Fähigkeit gleichzusetzen – beispielsweise enthält ein Ast Vokabeln zu einem bestimmten Themengebiet wie „Essen“ oder einem grammatikalischem Sachverhalt. Innerhalb dieser Äste gibt es wiederum eine oder mehrere Lektionen in denen man Schritt für Schritt neue Begriffe oder andere sprachliche Besonderheiten lernt.

Die Lektionen führen die neuen Wörter nun nacheinander ein – wie es sich für eine Website gehört natürlich auf interaktive Art und Weise durch Bilder, Hör-, Schreib- und Sprechübungen. So wird man beispielsweise bei einigen Sätzen aufgefordert das Mikrofon anzuschalten* und den entsprechenden Satz vorzulesen. In den meisten Fällen funktioniert die Spracherkennung sogar ausgesprochen gut.

* Wer nicht möchte, dass seine Stimme aufgenommen wird, kann die Sprechübungen auch in den Optionen ausschalten.

Sehr vorteilhaft für die Lerner ist es, dass man mit der Maus über jedes Wort fahren kann und die entsprechende Übersetzung angezeigt bekommt – so entfällt der Griff zum (Online)wörterbuch und man kann bequem auf Duolingo bleiben. Duolingo NL LektionDie Wörter und Sätze werden zudem noch durch eine Sprachsoftware vorgelesen. Nachdem sich die Computerstimme (man kennt sie bspw. von Bahnhofsansagen) anfangs noch ziemlich blächern und stockend anhörte, wurde sie nach Nachjustierungen des Kursteams ständig besser und verständlicher – selbst wenn sie ab und an zu schnell ist, hat man die Möglichkeit sich den ganzen Satz noch einmal langsamer ausgesprochen anzuhören.

Nachdem man alle Lektionen eines „Asts“ abgeschlossen hat, ist dieser „stark“ und er färbt sich, wie man oben im Bild erkennen kann, goldgelb im Baum – das behandelte Thema ist sozusagen noch frisch im Kopf abgelegt und man kann mit dem nächsten Ast weitermachen oder legt eine kleine Pause ein. Nach einer Zeit werden die Äste allerdings schwächer – ihre Farbe ändert sich von goldgelb zu bunt und man wird daran erinnert, dass es Zeit für eine Wiederholung ist. In sogenannten „Auffrischungsübungen“ stärkt man nun die Wörter mit denen man in der Vergangenheit öfter Probleme hatte oder die in den letzten Lektionen nicht so oft vorkamen. Sobald ein Ast „gestärkt“ wurde, färbt er sich wieder goldgelb und bleibt eine Weile lang so bestehen. So wiederholt sich der Kreislauf Tag für Tag und es bleibt selbst nachdem man alle Themen behandelt hat spannend, da man ja möglichst viele „Äste“ seines Baums gestärkt haben möchte.

Was kam dabei raus?
Seitdem ich anfing Niederländisch zu lernen ist ziemlich genau ein Jahr vergangen. Ich habe jeden Tag auf Duolingo geübt, was mir dank der kleinen Lektionen und der Apps für iOS und Android nie schwer fiel. Selbst 10 Minuten am Tag, beispielsweise im Zug oder nach dem Frühstück, reichen aus um die Wörter wieder ins Gedächtnis zu bringen. Motiviert wird man dadurch übrigens vom „Streak“ – jeder aufeinanderfolgende Übungstag wird gezählt und nachdem man eine zwei- oder dreistellige Zahl erreicht hat möchte man schließlich nicht, dass der „Streak“ nach einem Tag Pause wieder auf „0“ zurückgesetzt wird.

Nachdem ich anfangs etwas skeptisch war, stellte ich schon innerhalb kurzer Zeit fest, dass ich deutlich mehr Niederländisch verstehe als vorher. Das ging bei den Anfragen der Kollegen los und hörte mit den Nachrichten oder Werbespots im Radio auf – so wusste ich beispielsweise auf welchen „snelwegen“ (Autobahnen) mich in den Niederlanden ein „file“ (Stau) erwartete oder in welcher Drogerie es gerade wieder zwei Haarwäschen zum Preis von Einer gab – aber Achtung: „op is op“ – „wenn’s weg ist, ist’s weg“ oder etwas förmlicher: „nur solage der Vorrat reicht“ 😀

Reicht eine Website wirklich aus?
Duolingo ist ein guter Ansatz um Vokabeln und einfache grammatikalische Strukturen zu erlernen, damit ist es allerdings nicht getan. Dadurch, dass hinter jeder Software eine gewisse Logik steckt, kann man manche Dinge wie Redewendungen nicht sinnvoll in die Lektionen einbauen, wodurch dieser Teil etwas zu kurz gekommen ist. Eine wirkliche Hilfe war (und ist) mir gerade bei solchen Themen „Buurtaal“, der Blog von Alexandra. Ohne ihn hätte ich nicht gelernt, dass ich mich am Telefon einfach nur mit „met Fabian“ melden oder wie ich eine niederländische E-Mail abschließen kann – 1000 Dank für diese interessanten Beiträge!

Zusätzlich zu den Redewendungen kamen mir auch einige grammatikalische Fragen in den Kopf, die mir auf Duolingo entweder nicht ausreichend genug beantwortet wurden oder nicht komplett verständlich waren, da die Zielgruppe des Kurses ja hauptsächlich englische Muttersprachler sind. In diesem Fall hilft mir „Grammatik kurz & bündig – Niederländisch“ von PONS (ISBN: 978-3-12-562656) weiter. Dort sind die wichtigsten Regeln kurz und verständlich anhand von Beispielen erklärt.

Wenn man bedenkt, dass der komplette Kurs von Duolingo kostenfrei ist und meine einzigen Ausgaben für das Grammatikbuch entstanden, halte ich das Kosten/Nutzen-Verhältnis für sehr hoch. Der Vorteil von Duolingo im Vergleich zu einem Anfängerkurs in der VHS ist für mich eindeutig, dass ich immer, wann ich möchte, üben kann – und zwar in meinem eignenen Tempo. Das ist zwar sicher nicht jedermanns Geschmack aber für mich war es einer der überwiegenden Vorteile. Immerhin behauptet Duolingo auch, dass 34 Stunden Übungszeit auf Duolingo ungefähr so viel Wissen vermitteln wie ein Semester an der Universität.

Ob diese Frage wirklich zutrifft ist eine andere Geschichte, aber ich bin mit meinem Wissensgewinn mehr als zufrieden. Ich kann mich im Niederlandeurlaub mit den Menschen unterhalten, (einfache) E-Mails in der Muttersprache meiner Kollegen und Lieferanten schreiben und die niederländischen Nachrichten verstehen. Nun freue ich mich darauf meine Kenntnisse zu vertiefen.

Habt ihr schon einmal einen Onlinesprachkurs gemacht? Führte er euch zum Erfolg? Welche Tipps und Kniffe zum Niederländisch lernen habt ihr? Über eure Kommentare freue ich mich sehr!

Tot de volgende keer,
– Fabian.


(Zur Vollständigkeit: Dieser Beitrag wurde von keiner der genannten Websites oder Unternehmen finanziell unterstützt und basiert auf rein persönlicher Erfahrung und Empfehlung.)

Der perfekte Spanisch-Podcast

¡Buenas tardes!

Da ich immer ziemliches Interesse daran habe, meine Spanischkenntnisse zu verbessern, beziehungsweise gegen das langsame Vergessen vorzugehen, war ich mal wieder auf der Suche nach guten Lernmaterialien. Bisher fehlt es mir noch an einem guten Podcast, der sich mit der spanischen Sprache beschäftigt.

Okay, erst mal stellt sich die Frage, was für mich ein „guter Podcast“ ist:

  1. Er sollte nicht länger als 20 Minuten pro Folge gehen.
    So habe ich die Möglichkeit eine Folge während der Busfahrt zu hören.
  2. Aktualität! Es sollte regelmäßig neue Folgen geben – eine Sprache ist kompliziert und man ist nie fertig, sie zu lernen.
  3. Der Podcast sollte nicht komplett auf Spanisch sondern auch auf Deutsch oder Englisch kommentiert sein.
  4. Die Sprecher sollten deutlich sprechen, aber trotzdem nicht beim Sprechen einschlafen.
  5. Man sollte die Möglichkeit haben, alle wichtigen Vokabeln der aktuellen Folge kostenlos als PDF runterladen zu können.
  6. Ganz wichtig für mich: es nervt total, wenn in 5 von 20 Minuten pro Folge über kostenpflichtige Zusatzmaterialien (wie z.B. Online-Vokabeltrainer oder Community-Foren) geredet wird. Es reicht, das ganze ein Mal zu hören, und nicht in jeder Folge auf „sensationelle Angebote“ aufmerksam gemacht zu werden.
  7. Nice-to-have: einfache Synchronisation via iTunes

Früher habe ich ganz gerne den Podcast von Coffee Break Spanish benutzt aber gerade die Punkte 4 und 6 haben mich mit der Zeit extrem genervt. Die weibliche Sprecherin hat manchmal schon ziemlich genuschelt… okay, das ist bei Spanisch ein generelles Problem der Sprache, nur bei ihr trat es bei den englischen Erklärungen auf. Des weiteren sind die „Lesson Guides“ nur gegen Bezahlung erhältlich – die „Bronze-Mitgliedschaft“ kostet auch nicht gerade wenig. Für 40 Podcasts stehen 27 £ auf der Preisliste.

Ein weiteres, interessantes Spanischangebot bietet auch die BBC an. Problem ist nur, das ganze einfach und unkompliziert auf den iPod zu bekommen. Gerade der „Mi vida loca“-Kurs wäre als iPod-Applikation sicher ziemlich interessant.

Bisher war meine Suche leider noch nicht erfolgreich, aber ich werde euch über die Fortschritte auf dem Laufenden halten.

Kennt ihr zufällig gute Sprach-Podcasts? Wie sollte ein perfekter Podcast für euch aussehen? Nutzt ihr überhaupt Podcasts bzw. könnt ihr mit Podcasts lernen?

¡Saludos y hasta pronto!
– Fabi